Das Interview führte Herbert Knup von der Fachzeitschrift "Obstbau" mit Peter Schwalbach
| Wie kamen Sie auf die Idee der Selbstpflücke? | Angefangen hat das alles 1980 in unserem Stammbetrieb in Mainz-Marienborn. Ich fand diesen Vermarktungsweg immer eine interessante Sache und versuchte die Idee der Apfelselbstpflücke zu vertiefen und den dort örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Schnell merkte ich jedoch, daß ich in Mainz an die Grenzen dieser Form der Vermarktung kam. Dies hatte mehrere Gründe. Dann begann die Suche nach einer geeigneten Ausweichfläche im Umkreis von ca. 50 - 60 Kilometern. Die Fläche durfte nicht zu weit von unserem Hauptbetrieb sein. Und es eignet sich auch nicht jede Fläche für diese Art von Vermarktung. Seit 1987 bewirtschaften wir jetzt diese Fläche hier in der Nähe von Oberursel, mit 55 km ca. eine Stunde Fahrzeit von unserem Hauptbetrieb entfernt. 1998 gelang es mir, die jetzt angrenzende 3 Hektar große Fläche hinzu zupachten |
| Nach welchen Kriterien sind Sie bei der Suche nach geeigneten Flächen vorgegangen? | Das Einzugsgebiet muß groß sein und darf nicht nur aus Stadtbevölkerung bestehen. Denn diese Leute kommen und pflücken nur ein bis zwei Kilogramm Äpfel oder Birnen, mehr aber nicht. Eine solche Anlage muß in der Nähe einer Durchgangsstraße oder Ausfallstraße liegen. Die Nähe zum Hauptbetrieb ist ebenso ausschlaggebend wie die Zusammensetzung der Bevölkerung im Einzugsgebiet. Wichtig sind Menschen, die etwas Frisches vom Land haben wollen und noch Einlagerungsmöglichkeiten haben. Die Erstlingsfrüchte werden nicht der Vermarktung zugeführt, die Anlage gebe ich erst ab dem zweiten Jahr frei zur Apfelselbstpflücke. |
| Wie bepflanzen Sie die Fläche? | In die ersten beiden Reihen wird als Blickfang eine rotwangige Sorte gepflanzt, dies erregt Aufsehen und Neugierde. Dann folgen die Sorten `Jonagold´, `Rubinette´, `Elise´ und `Boskoop´ immer mit dem gleichen Anteil. Als Unterlage dient fast ausschließlich M9. Die Reihen dürfen nicht zu lang sein, sonst verlieren die Pflücker die Übersicht und auch die Lust in die Reihen weiter zu gehen. |
| Weitere Kulturmaßnahmen? | Besonders wichtig ist, daß die Fahrgasse oft genug gemulcht wird, damit sich so eine feste Grasnarbe entwickelt. Da ich mein Obst genußreif anbiete, das Obst bei den Leuten aber noch bis Weihnachten halten soll, wird nur eine Lagerspritzung durchgeführt. Alle Reihen sind frei, es wird nichts abgesteckt, alles ist frei zugänglich. Da die Pflücker nur an die ersten Bäume der Reihe gehen, sehen die Baumreihen schnell leergepflückt aus. Doch mit einem bisschen Überzeugungsarbeit kann ich die Leute schon gut lenken |
| Wie machen Sie auf die Apfelselbstpflücke aufmerksam? | 20 - 30 % des Bruttoumsatzes gebe ich für die Anzeigenschaltung aus. Die Anzeigenschaltung in Zeitschriften ist hier im Frankfurter Raum besonders kostspielig. Als sehr sinnvoll und effektiv hat sich auch eine Postwurfsendung erwiesen. Durch ein Gewinnspiel bekomme ich neue Adresse, die im nächsten Jahr dann von der neuen Aktion informiert werden |
| Hört sich doch alles ganz einfach an! | Wir hatten und haben immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Doch folgende Dinge müssen klar sein: Nur genussreifes Qualitätsobst. Wir lassen die Äpfel so lange an den Bäumen hängen, bis sie wirklich genußreif sind. Alle übriggebliebenen Äpfel werden nicht mehr geerntet, sondern verbleiben in der Anlage und werden gemulcht. Viele Obstbauern versuchen, Kunden über den Preis zu locken. Nach meinen langjährigen Erfahrungen hat sich gezeigt, daß man nur so Laufkundschaft "gewinnt”, die einen Tag später zum nächsten noch billigeren Jakob geht. Die Kunden gewöhnen sich an den Preis, sie wollen sogar diese Kontinuität. Am Anfang gab es Probleme mit ausreichendem Parkraum, jetzt haben wir uns mit dem Bauern, dem die angrenzenden Flächen gehören, geeinigt und es gibt keine Probleme. Wir melden die Selbstpflückwoche auch bei der Polizei an, denn an Spitzentagen wie im letzten Jahr wurde der durch die Pflückaktion verursachte Autostau im Radio gemeldet. |
| Gibt es nicht auch kritische Fragen? | Das Thema Pflanzenschutz wird angesprochen, hier muß man schon einige Ängste und Befürchtungen der Leute aus dem Weg räumen. Die kontrollierte Integrierte Produktion wird vorausgesetzt. Die Anlagen dürfen nicht zu sauber sein, deswegen toleriere ich einen gewissen Unkrautbesatz in den Baumreihen. Dies betont den Naturgedanken. Ebenso wollen die Kunden einen Baum vor sich sehen. Äpfel pflücken von einem richtigen Baum. Deshalb führe ich auch keinen Sommerschnitt durch. Eine Superspindelanlage kommt deshalb nicht gut an. |
| Was schwebt Ihnen für die Zukunft vor? | Ich möchte die Form der Selbstpflücke noch professioneller aufziehen. Vielleicht runde ich men Angebot mit mehr Produkten aus der Region ab. Da habe ich aber noch keine abschließende Meinung. |